Fakten: Zelllinien, Impfstoffe und Transparenz
Medizin und Forschung
In der biomedizinischen Forschung werden teilweise humane Zelllinien verwendet, die ursprünglich aus fetalem Gewebe gewonnen wurden. Solche Zelllinien werden in Laboren genutzt, um Viren zu vermehren oder wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen.
Die Hersteller betonen in der Regel, dass die entsprechenden Schwangerschaftsabbrüche nicht mit dem Ziel durchgeführt wurden,
Material für die Impfstoffproduktion zu gewinnen. Die verwendeten Zellinien stammen aus den 1960er Jahren und werden seitdem in Laboren weiter kultiviert
Ein Grund für die Nutzung fetaler Zelllinien liegt in ihren biologischen Eigenschaften. Humanembryologe Dr. Leonard Hayflick beschrieb
bereits 1961, dass Zelllinien aus fetalem Gewebe stabile Wachstumsbedingungen bieten und sich deshalb als Substrat für die Produktion bestimmter Virusimpfstoffe eignen.
Fetale Zellen sind außerhalb des Körpers nur begrenzt lebensfähig. Daher müssen Gewebeproben nach der Entnahme schnell verarbeitet
werden, damit Zellstrukturen erhalten bleiben und für wissenschaftliche Zwecke nutzbar sind.
Gewebe aus Spontanaborten (Fehlgeburten) ist für Forschungszwecke häufig ungeeignet, da die Ursache des Schwangerschaftsverlusts -
etwa genetische Veränderungen oder Infektionen - die Zellqualität beeinflussen kann. Bei der Abtreibung darf der Fötus demnach lebend zerschnitten werden. Bei Spontanaborten (Fehlgeburten) ist dies nicht der Fall da im Gegensatz zu einer Abtreibung der Körper nicht mehr lebt und das Embryo meist auf Krankheit untersucht wird, so dass für eine Verwendung der Zellen zu viel Zeit vergeht.
Wichtige fetale Zelllinien in der Impfstoffforschung
WI-38
Was den in Deutschland und anderen westlichen Ländern im Handel befindlichen Röteln-Impfstoff betrifft, so gibt es folgende Besonder-heit: Sowohl das Virus als auch sein Kulturmedium stammen von abgetriebenen Kindern. Das Röteln-Virus stammte von einem Kind, das abgetrieben wurde, als während der Röteln-Epidemie 1964 in den USA infizierten Frauen zum Schwangerschaftsabbruch geraten wurde. Beim 27.ten abgetriebenen Kind, das wie die anderen sofort seziert wurde, fand man schließlich das Virus. Es wird als Virusstamm RA 27/3 bezeichnet, wobei R für Röteln, A für Abort, 27 für 27.ster Foetus und 3 für die dritte Gewebe-probe steht. Der abtreibende Arzt arbeitete mit dem Wistar Institut zusammen, um die abgetriebenen Kinder zu sammeln und das Virus zu isolieren. Das Virus wurde anschließend in Lungenzellen (WI-38) eines anderen abgetriebenen, etwa 3 Monate alten weiblichen Foeten gezüchtet.
MRC-5
Eine weitere wichtige Zelllinie ist MRC-5, die 1966 von J. P. Jacobs am Medical Research Council in Großbritannien entwickelt wurde.
Die Zelllinie stammt von einem 14 Wochen alten männlichen Foeten, der aus „psychiatrischen Gründen“ von einer 27 Jahre alten Frau in
Großbritannien abgetrieben wurde. MRC-5 wurde 1966 von J.P. Jacobs hergestellt.
Masern-Impfpflicht in Deutschland
Seit dem 1. März 2020 gilt in Deutschland eine gesetzliche Masern-Impfpflicht für Kinder sowie für Beschäftigte in Gemeinschafts-
einrichtungen wie:
Schulen
Kindergärten
medizinischen Einrichtungen
Diese Regelung wurde mit dem Masernschutzgesetz eingeführt.
Verfügbare Masern-Impfstoffe
In Deutschland stehen derzeit ausschließlich Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die gleichzeitig gegen mehrere Krankheiten schützen:
Masern
Mumps
Röteln
teilweise zusätzlich Windpocken
Zu den bekannten Präparaten gehören beispielsweise:
Priorix®
Priorix-Tetra®
M-M-RvaxPro®
ProQuad®
Diese Impfstoffe werden von verschiedenen pharmazeutischen Unternehmen hergestellt.
Bei der Produktion der einzelnen Bestandteile können unterschiedliche Zellkulturen verwendet werden, darunter:
tierische Zellkulturen (z. B. Hühnerzellen)
humane Zelllinien (z. B. WI-38 oder MRC-5)
Einzelimpfstoffe gegen Masern sind derzeit in Deutschland nur eingeschränkt verfügbar.
Internationale Unterschiede bei Impfstoffen
In einigen Ländern, darunter Japan, werden teilweise alternative Impfstoffe angeboten, die mit anderen Produktionsmethoden hergestellt werden.
Der Import solcher Präparate nach Deutschland ist jedoch gesetzlich geregelt. In vielen Fällen dürfen Arzneimittel aus dem Ausland nur
eingeführt werden, wenn keine vergleichbaren Präparate auf dem deutschen Markt verfügbar sind.
Verwendung fetaler Zelllinien in weiteren Bereichen
Neben der Impfstoffforschung können humane Zelllinien auch in anderen wissenschaftlichen oder industriellen Bereichen
verwendet werden, beispielsweise:
medizinische Forschung
Entwicklung von Medikamenten
biotechnologische Studien
Für Verbraucher ist die Verwendung bestimmter Zelllinien in Produkten oft nicht direkt ersichtlich, da Produktionsmethoden nur
teilweise transparent dargestellt werden.
Ein Anliegen dieser Initiativen ist daher eine bessere Kennzeichnung und Information, damit Verbraucher nachvollziehen können,
wie Produkte hergestellt wurden.
Produkte - Beauty und Fetale Zellen
Seit 11 März 2009 gilt ein EU weites Verkaufsverbot für Kostmetikprodkte und Rohstoffe die an Tieren getestet wurden, sofern
alternative Testmethoden möglich sind. Alternative Testmethoden sollen „ethische Hautcremes“ zum Ergebnis haben. Menschliche Föten hingegen können weiterhin für solche Test verbraucht werden. Die Journalistin Alexandra M. Linder schreibt in ihrem Buch „Geschäft Abtreibung“: „Im April 1980 öffnete man einen Lastwagen an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich und fand hunderte von tiefgekühlten abgetriebenen Kinder darin, die an verschiedene französische Kosmektikfabriken geliefert werden sollten. Eine der damaligen Verkäuferinnen solcher Produkte nannte sie „absolut natürlich“ und gab auch Inhaltstoffe an...“ In Beauty Produkten wie: Kollagen, Hyaluronsäure, Anti Aging, Faltentherapie ist aktuell nicht ersichtlich ob Föten für dessen Produktion verwendet werden. In der europäischen Zulassungsliste für kosmetische Inhaltsstoffe findet man einen „Embryo Extract“ mit der Nummer 293-667-4 mit der Beschreibung „Embryo Extract ist ein Extrakt, der aus der Haut eines Säuger-Embryos gewonnen wird“ der „Säuger“ kann wie mehrfach belegt wurde Säugetiere als auch Menschen umfassen. Als Funktionen dieser Extrakte werden „Feuchtigkeitsspenden oder hautpflegend“ angegeben.
Nahrungsergänzung - Naturheilkunde
Die Bezeichnung „fetalis“ (fötal) erscheint in der Homöopathie auf verschiedene Weise. Oftmals ist die Herkunft des Wirkstoffes unklar.
Quellen
Ärzte für das Leben e. V. (n.d.). Ärzte für das Leben. Verfügbar unter: https://aerzte-fuer-das-leben.de/ (abgerufen am 06.03.2026).
Bundesministerium für Gesundheit. (n.d.). Fragen und Antworten zum Masernschutzgesetz. Verfügbar unter:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/impfpflicht/faq-masernschutzgesetz.html (abgerufen am 06.03.2026).
